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Turmfalken an der GS Dehme



Werfen Sie einen Blick in die Kinderstube der Turmfalken an der Dehmer Grundschule.

Zur Webcam

Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bad Oeynhausen und des Grundschulverbund Weser-Wiehen

Jahresbericht 2015 PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 27. Dezember 2015 um 19:26

 

Ein Storchensommer am Weserbogen

Mit diesem Titel hat der mittlerweile über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Naturfotograf Frank Marske einen Wandkalender gefertigt, ausgestattet mit vielen brillianten Fotos vom Storchenpaar am Großen Weserbogen. Wer zum Jahresbeginn noch einen Kalender braucht, kann sich bei www.ag-natur.de melden.

Insgesamt hat der Mühlenkreis mit 57 brütenden Weißstorchpaaren und 112 ausfliegenden Jungen weit mehr Störche gezählt, als jemals im Kreis gelebt haben dürften. Während früher die Störche erst in der zweiten Märzhälfte aus ihren Überwinterungsgebieten zurückkehrten, tauchen die ersten jetzt bereits im Februar auf – möglicherweise trägt hierzu der Klimawandel bei. Die Brutzeit 2015 war trocken und warm, das verheerende Jungstorchsterben der letzten zwei Jahre ist ausgefallen, denn nasskalte Witterung bedeutet für die kleinen Küken den sicheren Tod. Eine starke Mäusepopulation bot im vergangenen Jahr eine stabile Nahrungsgrundlage. Weißstörche ernähren sich zu 70 % von Feldmäusen!

Mit hervorragenden Bildtafeln am Weserrandweg wird die Geschichte der Störche am Weserbogen kommentiert durch Texte des Storchenvaters Dr. Dr. Alfons Bense, illustriert durch Fotos von Frank Marske, alles gestaltet durch den Mindener Designer Joseph Peters. Mit der für seinen Handwerksbetrieb bekannten Qualität hat Gernot Grübbel aus massiven Holzbildträgern, festgegründet mit feuerverzinkten Füßen den Bildtafeln links und rechts der Weser eine für Jahrzehnte stabile Grundlage geschaffen. Mittlerweile gibt es in Babbenhausen, Volmerdingsen und Wulferdingsen auch auf Bad Oeynhausener Gebiet Nistplattformen, die bisher zwar nur gelegentlich von Storchen besucht aber möglicherweise in Zukunft doch einmal von einem Brutpaar eingenommen werden. Selbst die Gohfelder Naturfreunde „werben“ mittlerweile um ein eigenes Storchenpaar und errichten in der Blutwiese ein Pfahlnest.

Eulen in Oeynhausen

Auch Schleiereulen profitierten vom starken Mäusejahr 2015. Eulenbringer Gerhard Neuhaus aus Minden hat im Mühlenkreis 76 Brutpaare festgestellt und 342 Nestjunge. In einer Turmstation in Eidinghausen hat Erwin Mattegiet vier Schleiereulenküken beringt, ein neuer Eulennistkasten wurde auf dem Dachboden des Speichergebäudes neben dem Museumshof im Siekertal angebracht. Auch hier hat die Firma Grübbel großzügig Material gespendet, das Berufsbildungswerk des Wittekindshofes hat daraus die erforderlichen Kästen getischlert, Museumstischler Friedhelm Kruse hat den Kasten eingebaut.

Auf einer Terrasse in der Südstadt Bad Oeynhausens konnte ein Steinkauz gefunden und fotografiert werden. Dieser musste sich von einem Scheibenanflug erholen, hat aber den Unfall überlebt. Insgesamt ist diese kleinste Eulenart äußerst selten geworden. Im Kreis Minden werden nur noch 18 Brutpaare gezählt und in 2015 insgesamt nur 61 Jungkäuze bringt. Steinkäuze brüten in hohlen Ästen, die es aufgrund der Verkehrssicherungspflichten in der Natur kaum gibt. Hinzu kommt der problematische Standort, denn die kleine Eule ist nur im Wiesengelände in der Lage, erfolgreich zu jagen, dort wo gemäht wird oder Viehweiden sind, kann der Steinkauz gelegentlich in alten Obstbäumen beobachtet werden. Die in letzter Zeit als Ausgleichsflächen angelegten Streuobstwiesen könnten zukünftig für den Steinkauz interessant werden. Damit dieser nicht zu lange warten muss, bis die Bäume Jahrzehnte alt sind und hohl werden, sollen hier Steinkauzröhren installiert werden, die im Berufsbildungswerk des Wittekindshofes angefertigt werden.


Turmfalken

Der Turmfalke war schon immer dankbar für die Installation von Nistkästen. Zuverlässig zieht er bereits in Nistkästen ein, während die Handwerker der Arbeitsgruppe noch die Leiter wegpacken! Turmfalken sind Kulturfolger und sind auf Nisthilfen an Gebäuden angewiesen. An der Grundschule Dehme werden sie sogar mit einer Webcam beobachtet. Begeisterte Grundschüler konnten hier auf ihrem Monitor im Klassenzimmer den Brutverlauf von vier jungen Falken verfolgen! Sofort wurde Erwin Mattegiet zum Naturkundeunterricht eingeladen, um Wissenswertes über den hübschen Greifvogel zu erzählen. Auch dieses Projekt konnte nur realisiert werden durch die Unterstützung der örtlichen Handwerkerschaft, namentlich durch die Zimmerei Grübbel, Dachdeckerei Stein und dem Berufsbildungswerk des Wittekindshofes.


Schwalbenschutz

Seit fünf Jahren betreibt der NABU die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“. Hausbesitzern, die Mehl- oder Rauchschwalben eine Heimstadt bieten, werden mit einer Plakette ausgezeichnet und können diese an ihrer Außenfassade anbringen, um weitere Schwalbenfreunde zu ermuntern, die Brutversuche unter den Dachüberständen oder in Ställen durch kleine Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Manchmal genügt den Schwalben nur ein einzelner Nagel, um für das „Fundament“ ihres aus Lehmkügelchen zusammengeklebten Nestes einen Anfang zu finden. Aber auch künstliche Schwalbennester aus Holzbeton sind mittlerweile im Handel erhältlich und können die Vögel auf ein schwalbenfreundliches Haus aufmerksam machen. Ausgezeichnet wurden eine Autowerkstatt in Neuenknick, ein Pferdehalter in Eidinghausen-Wöhren, eine Gärtnerei in Bad Oeynhausen-Rehme sowie Eigenheimbesitzer in Dehme. Wer sich beteiligen möchte, mag sich bei der AG melden.


Fledermäuse

Mit stoischer Geduld müssen wir jedes Jahr einen neuen Einbruch in den vergitterten Stolleneingang des Fledermausquartiers im Wiehengebirge zur Kenntnis nehmen und die Schäden beseitigen. Es will sich einfach nicht herumsprechen, dass dieser Stollen nur wenige Meter tief ist und abrupt aufhört. Es handelt sich um eine Jahrzehnte alte Probebohrung, es gibt dort nichts zu sehen, keine Schätze zu bergen und keinerlei spektakuläre Felsformationen. Selbst für Fledermäuse war dieses „Loch im Gestein“ anfangs unattraktiv, sodass wird es durch angedübelte Dachpfannen, Lochziegel und Nistkästen erst für Fledermäuse attraktiv machen mussten, die die künstlichen Spalten und Löcher gerne angenommen haben. Gern würden wir Geld und Zeit in andere Projekte investieren, als an dieser unzugänglichen Stelle im Wiehengebirge Strom zu erzeugen, Beton anzurühren um neue Metallgitter anzubringen.


Schutzgebiete

Das schönste naturbelassene Fließgewässer im Mühlenkreis dürfte der Borstenbach sein. Bereits bei der Gründung der AG vor über 30 Jahren haben wir eine Patenschaft für den Bach übernommen und beobachten die dortigen Entwicklungen mit großem Interesse. Der obere Bachbereich ist in 2015 teilweise verlegt und zum Hochwasserschutz aufgeweitet worden. Hier herrscht eine gute Wasserqualität. Die Selbstreinigungskraft dieser Auenlandschaft ist bemerkenswert. Bereits vor vielen Jahren konnte festgestellt werden, dass die Wasserqualität hier sogar besser ist als im Oberlauf im Stadtgebiet Vlotho. Wir denken im Moment darüber nach, hier den europäischen Edelkrebs wieder anzusiedeln – ein einmaliges Projekt für Ostwestfalen. Fließgewässerexperte Eckhard Nolting ist bereits von der Idee begeistert. Wir bleiben dran!

Das Artenreichste Amphibiengebiet ist das Fuchsloch, eine Heimstadt für Amphibien „aus zweiter Hand“. Nach der Ausbeutung durch den früheren keramischen Betrieb in Dehme ist dieses „Loch im Berg“ aufwendig bearbeitet worden. Die Pionierpflanzen Erlen und Birken wurden beseitigt und mit dem Bagger zahlreiche Tümpel und Laichplätze angelegt, die von mehreren Arten regelmäßig angenommen werden. Eigentümer der Fläche ist seit einigen Jahren der NABU-Kreisverband Minden-Lübbecke. Nachdem die AG die Pflegearbeiten ehrenamtlich nicht mehr leisten konnte, hat der Kreis hier regelmäßige jährliche Unterstützung zugesagt.


Amphibienschutz

Während der Schutz der Laichgebiete von Amphibien durch kostenintensive „Tiefbauarbeiten“ dazu geführt hat, dass überall im Stadtgebiet kleine Blänken entstanden sind, muss natürlich auch daran gedacht werden, dass die wechselwarmen Tiere auf ihren Wanderungen dorthin ebenfalls schwer gefährdet sind, da kaum ein Standort existiert, zu dem sie nicht Straßen und Wege überqueren müssen. Zahlreiche totgefahrene Exemplare zeugen während der Laichwanderungen im Frühjahr davon, dass Amphibienschutz ein sehr komplexes Thema ist. Viele Mitmenschen fragen natürlich auch, warum man das eigentlich macht. Frösche, Kröten, Molche und Salamander sind nicht niedlich. Als „schräge Individualisten“ dürfte da der ein oder andere Autofahrer Amphibienschützer betrachten, die zur Laichzeit und noch dazu bei Regen mir Warnweste und Taschenlampe auf den Straßen Bad Oeynhausens herumlaufen und an den besonders kritischen Stellen die kleinen Tiere über die Straße tragen. Amphibien sind aber unabdingbar für die Stabilisierung des ökologischen Gleichgewichtes. Sie fressen viele Insekten. Gleichzeitig sind sie in ihrem Bestand gefährdet, weil sie jede Form von Umweltgift durch die Haut aufnehmen. Zum ökologischen Gleichgewicht und zur Artenvielfalt gehören Amphibien einfach dazu. In der Stadt Bad Oeynhausen gibt es zumindest punktuell bemerkenswerte, artenreiche Vorkommen, die ohne den ehrenamtlichen Schutz wahrscheinlich nicht halb so groß wären.

Ein besonderes Lob gebührt unseren ehrenamtlichen Amphibienschützerinnen Elke Brinkmann und Antje Brandt, die mit ihrem Vortrag gleich mehrfach im Jahr unterwegs sind und viele Zuhörer in Bad Oeynhausen mit Fachkunde, ausgezeichneten Fotos und großer Begeisterung über das interessante und faszinierende Leben von Lurchen berichten.

Während Amphibienfreunde im Rahmen von Vorträgen großes Lob von Bürgern aus Bad Oeynhausen ernten, ist es umso erschreckender, dass die selben teilweise in Begleitung ihrer Kindergruppen von PKW-Fahrern beim abendlichen Amphibienzählen hupend von der Straße gescheucht werden, Warnwesten, 30er-Zonen und entsprechende Beschilderungen, mit der auf Amphibienwanderung hingewiesen wird, scheinen einige Zeitgenossen hier überhaupt nicht zu interessieren. Trotzdem sind unsere Ehrenamtlichen bei Regen und Wind abends in den ihnen zugewiesenen Bereichen aktiv, nehmen Kinder und viele Freunde mit, die Schar der freiwilligen Helfer schwankt natürlich jedes Jahr, deshalb werden regelmäßig interessierte Helfer gesucht, die sich unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder 05731/1546559 (Antje Brandt) melden können. Kontaktdaten und Informationen findet der interessierte Mitbürger im Flyer „Amphibienschutz in Bad Oeynhausen“, der im Rathaus ausgelegt ist.


Infostand

Der Frühjahrsmarkt Bad Oeynhausen wurde wieder einmal mit unserem Infostand bereichert. Dabei haben die Vereinsmitglieder über ihre aktuellen Einsätze berichtet, die Jugendarbeit, den Orchideen-, Amphibien-, Greifvogel- und Storchenschutz. Mit Fotos und Texten werden die Infostände immer wieder neu dekoriert und veranschaulichen die Arbeit unseres Vereins. Es gibt auch Anschauungsmaterialien auf dem Stand, wie Insektenhotels, Nistkästen usw. Interessante Gespräche und eine Vielzahl an Informationsmaterialien befriedigen die Neugier der Standbesucher. Dabei haben die Kinder sich interessiert beschäftigt mit Fühlkästen, dem Basteln von Masken, Waldfibeln, Malbüchern und zahlreichen Anschauungsmaterialien.

Jugendgruppe und „Naturentdecker“

Bereits im vierten Jahr waren die drei ehrenamtlichen M. Voss, J. Taake, A. Brandt mit ca. 14 bis 20 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren regelmäßig in der Natur unterwegs. Zu ihren dort erlebten Abenteuern gehörten Bachexkursionen, ein Walderlebnis nach Mitternacht, ein Erkundungsspaziergang und ein Sommerfest im NABU-Besucherzentrum Moorhus in Lübbecke, zu dem auch die Eltern eingeladen waren. Es gab eine Moorexkursion, Besichtigungen der Ausstellung im Moorhus und ein gemeinsames Grillen. Die Kinder haben darüber hinaus bei weiteren Treffen mit ihren neu angeschafften Arbeitsmessern geschnitzt und unter dem Motto „Rätsel, Spiel und Spaß zum Thema Natur“ Wissen und Geschick unter Beweis gestellt. Wer mitmachen will, kann unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. weitere Aktivitäten und Termine erfragen.



Wir danken allen Helfern, Sponsoren und Freunden der Arbeitsgruppe, ohne deren Wissen, handwerkliches Geschick und Großzügigkeit die Arbeit dieses kleinen Vereins nicht möglich wäre! Auch in Zukunft sind wir wie bereits seit über drei Jahrzehnten unermüdlich im Einsatz, um hier und da im Stadtgebiet Beispiele für Natur- und Artenschutz zu liefern, das Bewusstsein und den Blick unserer Mitbürger auch für die kleinen Dinge am Wegesrand zu schärfen.

Selbst Franz Kafka hatte einmal geschrieben: “Im Wald da gibt es Dinge, über die nachzudenken man tagelang im Moos liegen könnte!“

Bad Oeynhausen Dezember 2015



Dr. Walter H. Jäcker

 
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