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Turmfalken an der GS Dehme



Werfen Sie einen Blick in die Kinderstube der Turmfalken an der Dehmer Grundschule.

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Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bad Oeynhausen und des Grundschulverbund Weser-Wiehen

Jahresbericht 2014 PDF Drucken E-Mail

Jahresbericht 2014 der Arbeitsgruppe Natur- und Umweltschutz
Bad Oeynhausen e.V.

Das bemerkenswerteste Ereignis in diesem Jahr dürfte das 30-jährige Bestehen unseres Vereins sein! Drei Jahrzehnte praktische Arbeiten im Natur- und Artenschutz im Stadtbereich, drei Jahrzehnte Vorträge und Exkursionen.  Mit Sicherheit sind wir mit unter 50 Mitgliedern einer der kleinsten Vereine im Stadtgebiet, haben uns aber in der Bevölkerung einen Namen gemacht, weil unsere Mitglieder in all den Jahren Experten geworden sind, Experten für viele Vogelarten, Fledermäuse, Orchideen und Ideengeber für die ein oder andere Natur- und Artenschutzmaßnahme in Bad Oeynhausen und Umgebung.

Feldahorn – Baum des Jahres 2015
Um der Vielfalt an Bäumen in Feld, Wald und Flur ein Zeichen zu setzen, wird in jedem Jahr ein „Baum des Jahres“ ausgerufen. Der erste Baum des Jahres war im Jahr 1989 die Stieleiche, im vergangenen Jahr die Traubeneiche und dieses Jahr der Feldahorn. Unser 30-jähriges Bestehen haben wir zum Anlass genommen, ein recht großes Exemplar dieser Gattung in der Nähe des Gradierwerks im Bad Oeynhausener Sielpark zu pflanzen. Aufgrund seiner guten Verzweigung ist der Feldahorn ein wertvoller Vogelnistplatz. Hummeln, Bienen und Schmetterlingen dient er als Futterpflanze. Es gab Zeiten, in denen er sogar von Menschen als Speisebaum genutzt wurde. Die Blätter wurden wie Sauerkraut zubereitet. (Weitere Informationen unter www.baum-des-jahres.de).

Vogelschutz
Wie man den spektakulären durchgängigen Berichten der vergangenen Jahre entnehmen konnte, sind Weißstörche und Wanderfalken im Kreis Minden-Lübbecke im Aufwind. Der Anstieg der Storchenbruten im Mühlenkreis hält unvermindert an. Mittlerweile gibt es 54 brütende Storchenpaare: Ein neuer Rekord! Erfreulich sind Storchenbesuche auf den neu errichteten Nisthilfen in Wulferdingsen und Volmerdingsen. Auch unser Pfahlnest in Babbenhausen wurde mehrfach von Störchen besucht. Ob die Wachstumsgrenze der Population in unserer Heimat mittlerweile erreicht ist, ist schwer abzuschätzen. Ob auch die bisher nur als Rastplatz genutzten Nisthilfen irgendwann Brutstandorte werden, werden wir mit großer Spannung beobachten, wenn die Vögel im Mai aus ihrem Winterquartier zurückkehren. Die Wanderfalken brüten mittlerweile an Fernsehturm, Kirchen, Industriegebäuden. Die Mindener Mariengemeinde ist in diesem Jahr mit der NABU-Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet worden. Erwin Mattegiet berichtete dort im Rahmen eines Gottesdienstes über diesen wunderbaren Greifvogel, der seine Lebensweise an das stark bebaute Umfeld von Städten angepasst hat und überreichte Pfarrer Frieder Küppers die Auszeichnung des NABU.
Bedauerlicherweise ist festzustellen, dass aufgrund fehlender Brutplätze und Nahrungsangebot der Rückgang von Mehl- und Rauchschwalben unvermindert anhält. Vögel und deren Verbreitung und Lebensweise sind ein wichtiger Indikator für Veränderungen in unserem Umfeld. Jeder Autofahrer bemerkt, dass man noch vor Jahren im Sommer von Insekten verklebte Windschutzscheiben und Scheinwerfer zu reinigen hatte. Die Insektenvielfalt und deren Menge hat aber stark abgenommen, so dass die Schwalben, die im Fluge Insektennahrung jagen, hierunter zu leiden haben. Hinzu kommt, dass feuchte Lehmflächen nirgendwo mehr zu Tage treten. Feldwege sind überwiegend für schwere landwirtschaftliche Gespanne befestigt, so dass selbst das Nistmaterial für diese Vögel kaum noch zu finden ist. Etwas hilflos mutet daher die vom NABU verliehene Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ an, die Häusern verliehen wird, die sich mit Kunstschwalbennestern um den Schutz dieser Kulturfolger bemühen. Der Artenschwund unter den Schwalben ist ein ernstzunehmendes Anzeichen dafür, dass ein ökologisches System unaufhaltsam ärmer werden könnte.

Fledermausschutz
Als eine etwas merkwürdige „Premiere“ darf man für das Jahr 2014 bemerken, dass es sich um das erste Jahr handelt, in dem die Fledermausquartiere im Wiehengebirge nicht von irgendwelchen Zeitgenossen aufgebrochen wurden! Stattdessen gab es im Spätsommer immer wieder Anfragen von Bürgern, in deren Wohnungen sich Fledermäuse verirrt hatten. Eine Zwergfledermaus hatte sogar das Varieté GOP in Bad Oeynhausen aufgesucht und flatterte während einiger abendlicher Veranstaltungen über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Für den einen oder anderen Besucher der Vorstellung war dies aber ein amüsanter Teil der Show.

Amphibienschutz
Auf der neuen Straßenverbindung „Dehmer Spange“ gab es im März ein relativ großes „Schlachtfeld“ zu beklagen. Die neue Straße hat einen alten Wanderweg von Molchen, Kröten und Fröschen zerschnitten. Straßen NRW wird nun untersuchen, ob dieser mit einem stationären Amphibienschutzzaun dauerhaft unterbrochen werden kann, so dass die Kriechtiere sich an die Teilung ihres Lebensraumes gewöhnen. Auch die Jugendgruppe hat im Bereich Amphibienschutz geforscht. Im Naturschutzgebiet Steinbruch Liekwegen in Niedersachsen verbrachten die Kinder mit Christian Höppner, dem Projektmitarbeiter Gelbbauchunke, einen entdeckungsreichen Nachmittag. Ausgerüstet mit Keschern und Eimern haben sie eine Vielzahl an Gelbbauchunken und Kreuzkröten entdeckt und beobachtet.

Vorträge
Der Storchenvortrag „Storchensommer am Weserbogen“ führte Naturfotograf Frank Marske und Referent Erwin Mattegiet durch die Vereinslandschaft des Mühlenkreises. Der Vortrag ist mittlerweile ein „Dauerbrenner“ bei vielen naturinteressierten Mitbürgern.
Ähnliches gilt für den Vortrag „Falknerei – Die Kunst, mit Vögeln zu jagen“ von Dr. Walter Jäcker, der mit diesem Beitrag ebenfalls seit Jahren unterwegs ist und seinen interessierten Zuhörern nicht nur Spannendes über das 4.000 Jahre alte lebende Weltkulturerbe Falknerei berichtet, sondern auch Amüsantes aus dem Leben von Menschen, die einen Vogel haben.

Exkursionen
Die Wintervogel-Exkursion gehört zum festen Angebot der Arbeitsgruppe und dem Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta. Jörg Haddasch, Biologielehrer und Ornithologe aus Vlotho, leitet diese Exkursion in bewährter Form in jedem Jahr und findet zuverlässig am südlichen See eine bunte Wintergesellschaft, bestehend aus Höckerschwänen, Stockenten, Schellenten, Haubentauchern, Reiherenten, Zwergtauchern, Graugänsen, Nilgänsen und Gänsesägern.

Jugendgruppe „Naturentdecker“
Alle paar Wochen trifft sich die Jugendgruppe zu interessanten Themen und Aktionen. Mit oder ohne Eltern ging es in den Wald, praktische Arbeiten wie Basteln von gefüllten Futterglocken für Vögel im Winter oder das neue Insektenhotel in der Bad Oeynhausener Schweiz und viele Entdeckungen an Bächen und Teichen gehören zum spannenden Jahresprogramm. Mirjam-Hanna Voß und Antje Brandt führen die Kinder dabei immer wieder an spannende Fragestellungen heran. Warum haben Vögel unterschiedliche Schnäbel? Fressen alle Vögel das gleiche? Was machen Amphibien, wenn im Winter die Teiche zufrieren? Mit Keschern, Becherlupen, Schachteln und Eimern bewaffnet machen sich die Kinder alljährlich wieder auf die Suche nach allem, was im Laub, unter Steinen, im Wasser und auf der Wiese lebt. Ein zünftiges Lagerfeuer mit selbstgebackenem Stockbrot gehört selbstverständlich dazu. Eine großzügige Spende des Rotary-Clubs Minden Porta ermöglichte die Anschaffung von Ferngläsern, die bei der Jahresabschlussfeier „eingeweiht“ wurden.

30 Jahre sind eine lange Zeit. Natur- und Artenschutz ist nicht nur praktisch, sondern auch politisch geworden. Eine zunehmende Verstädterung der Bevölkerung unserer Heimat macht sich immer mehr bemerkbar. Vielfach ist die mangelnde Kenntnis um natürliche Zusammenhänge geradezu erschreckend. Andererseits haben Fragestellungen aus dem Natur- und Artenschutz ebenso wie Klimaveränderungen Gesetzgeber, Landwirte, Forst, Fischerei und schlussendlich viele Verbraucher in ihrem Produktions- und Konsumverhalten in den vergangenen Jahrzehnten stark beeinflusst. Ob Naturschutz im eigenen Garten, die Produktion biologisch vertretbarer Lebensmittel, schadstoffärmere Autos, Tierhaltung und vieles andere mehr sind in dieser Zeit in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Vor 30 Jahren haben die ersten Mitglieder unserer Arbeitsgruppe unter den argwöhnischen Augen kopfschüttelnder Mitbürger die ersten Schleiereulenkästen installiert und die letzten Vorkommen von wilden Orchideen kartiert. Trotz des unverhohlenen Zweifels vieler Mitbürger an unserem Tun haben wir unseren Aktionismus keineswegs beiseite gelegt und werden auch weiterhin in dem uns möglichen bescheidenen Rahmen aktiv den Natur- und Artenschutz unserer Stadt Bad Oeynhausen mitgestalten.

Dezember 2014
Dr. Walter Jäcker

 
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